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Ehrlich fragen, authentisch glauben

Welche Emotionen sind von Gott - welche nicht?

 Das ist Kurt (Name geändert).

 

Kurt kennt ziemlich viele Christen, und viele Christen kennen ihn. Er ist so beliebt, dass er von einer Gemeinde zur nächsten zieht und überall sofort neue Bekannte hat. Das war nicht immer so. Früher hat er alles ganz ernst genommen und wenn er gesprochen hat, haben sich seine Kiefermuskeln ganz doll angespannt. Wenn man fünf Minuten mit Kurt zusammen war, hat man sich hinterher so gefühlt wie unter einer dicken Regenwolke. Deshalb hat ihn bald jeder gemieden. Eines Morgens hat Kurt beschlossen: „So kann es nicht weitergehen. Ab heute bin ich positiv.“ Er hat seine Gesichtsmuskeln nach hinten gezogen und seitdem hat er immer gegrinst. Er hat nie etwas Negatives gesagt, immer nur Ermutigendes. Wie durch ein Wunder wollten die Leute auf einmal mit ihm zusammen sein. Wenn jemand schlecht drauf ist, dann grinst Kurt ihn nur an. Wenn einer sein Leid klagt, sagt Kurt, das Leben sei doch wunderbar.

Kurt ist einfach immer gut drauf.

 

Der geläuterte Gott

Ist Gott nicht ein ähnlicher Typ wie Kurt? Einer, der früher miesepetrig war (Altes Testament) und auf einmal zum Dauergrinser geworden ist (Neues Testament abzüglich der Offenbarung)? Einer, der endlich zu den „positiven“ Emotionen gefunden hat?

Ich kann dieses Gottesbild gut nachvollziehen, denn es vermittelt Sicherheit. In animistischen Religionen – und leider auch in vielen frommen Kreisen – ist der Glaube bestimmt von einer ständigen Angst vor den Launen der Gottheit. Was man tut, das tut man, um Gott zu beruhigen, zu beschwichtigen, ihm keinen Anlass zum Zorn zu geben. Und erwischt es mich dann doch einmal, zum Beispiel indem mir die S-Bahn über die Zehen rollt, dann habe ich vermutlich gestern oder vorgestern irgendetwas getan, was ihn beleidigt hat.

Wer so geprägt ist, der kann nur aufatmen, wenn er die Wahrheit des Evangeliums klar vor Augen gemalt bekommt: Gottes Liebe ist an keine Bedingung geknüpft! Bist du einmal Sohn oder Tochter Gottes, dann bleibst du das auch. Der Vater liebt sein Kind, was immer es tut! Punkt. Amen.

 

Möge er nicht aufhören zu feiern!

Wenn wir das erkannt haben, können wir ein Missverständnis ausräumen: Viele glauben, der einzige Ausdruck für Gottes Liebe sei der, dass er überschwänglich feiert. Der durchweg gut gelaunte Gott – ja, der muss uns doch wirklich lieben!

Das ist aber leider die alte Logik, die wir doch eigentlich hinter uns gelassen haben. Wir knüpfen unseren Status bei Gott an seine Stimmungslage. Haben wir wirklich verstanden, dass Gott uns liebt? Liebe ist eine unerschütterliche Festlegung des Herzens. Sie ist nicht daran gebunden, was jemand gerade empfindet und wie er dieses Empfinden ausdrückt.

 

Der Reichtum der Liebe

Das Gegenteil ist wahr: Echte Liebe kennt die ganze Gefühlspalette, sie ruft Emotionalität in allen Facetten hervor. Schließlich hat Gott diese Vielfalt selbst geschaffen. Ein Vater, der mich wirklich liebt, der freut sich an meinem Anblick und feiert mich (und da Gott über der Zeit steht, tut er das in gewisser Weise natürlich immer). Aber er trauert auch mit mir, wenn ich leide. Er ist betrübt, wenn jemand sich von ihm abwendet. Er kann sich ärgern, wenn ich wider besseren Wissens Mist baue. Würde er das nicht tun, dann wäre ich ihm gleichgültig. Er wäre ein gefühlskalter, distanzierter Glücksautomat. Ich würde immer wieder bei ihm vorbeikommen, um mir eine Dose gute Laune zu ziehen. Aber echte Beziehung? Vertrauen? Dafür würde ich mir jemand anderen suchen.

Es ist kein Unfall, dass im Alten und im Neuen Testament von sehr unterschiedlichen Gefühlsregungen Gottes die Rede ist. Es ist der Beweis, dass Gott von gesunder Liebe durchdrungen ist. Dass er ein Beziehungsgott ist. Dass wir ihm nicht egal sind. Dass wir ihn immer noch emotional bewegen.

Also, Kurt: Wir wollen dein Lachen, wir wollen dein Weinen, wir wollen dein Jubeln und dein Schweigen! Du darfst leben!

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