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Durchleuchtet

Ehrlich fragen, authentisch glauben

Ist jeder ein Heilungsevangelist?

Wer kennt sie auch, die „Generäle Gottes“ – Wigglesworth, Kuhlmann, John G. Lake und wie sie alle hießen? Ich habe das Buch von Roberts Liardon vor Jahren wider Erwarten verschlungen. Meine Faszination galt jedoch nicht nur den Wundern, von denen berichtet wurde, sondern mehr noch den dahinterliegenden Geschichten. Was habe ich gelitten, als ich lesen musste, wie der begabte John Alexander Dowie vom hingegebenen Heilungsevangelisten zum selbstherrlichen Autokraten mutierte! Was habe ich gestaunt über die divenhafte Popularität von Aimee Semple McPherson!

 

Die Zeit des Personenkults

Wer das Buch nicht gelesen hat, dem sei es ans Herz gelegt. Es ist das eindrucksvolle Zeugnis einer bewegten Pionierzeit. Alle zwölf Biografien haben etwas gemeinsam: Sie berichten von schillernden, aber auch ziemlich überforderten Persönlichkeiten. Damals, vor etwa 100 Jahren, galten Menschen, bei denen regelmäßig Wunder geschahen, als Gottes Auserwählte. Man glaubte, Gott wirke wie zu alttestamentlichen Zeiten vor allem durch herausragende Einzelpersonen.

Auch heute gibt es diese Art von christlichem Personenkult noch, aber insgesamt meine ich, dass wir klüger geworden sind. Wir haben die Schattenseiten zur Genüge gesehen. Ganze Dienste und Bewegungen sind zusammengebrochen, weil ihr gesalbter Frontmann die Last der Erwartungen nicht tragen konnte.

 

Der Leib wird aktiv

Zudem haben wir eines erkannt: Obwohl ein John G. Lake bis in die Nacht hinein endlose Menschenschlangen mit Heilungsgebeten versorgte, hätte er doch niemals alle Bedürfnisse erfüllen können. Kranke gibt es überall und zu jeder Zeit. Ein Einzelner kann immer nur punktuell wirken. Was aber, wenn stattdessen die Salbung eines John G. Lake auf viele andere Christen übergehen und diese dann in alle Welt ausströmen würden? Was, wenn es Heilungsgaben in allen Gemeinden gäbe?

Aus diesem Gedanken heraus wurde zunehmend Wert auf die Entdeckung der Geistesgaben gelegt. Der Grundton: Heilung ist nicht nur eine Fähigkeit einzelner Superhelden, sondern eine Gabe, die auch viele Normalo-Christen haben. Es wurden Seminare veranstaltet, auf denen trainiert wurde, die eigenen Gaben zu entdecken und mutig zu praktizieren.

 

Die Demokratisierung der Geistesgaben

Mit der Zeit verschob sich die Botschaft immer weiter. Irgendwann hieß es nicht mehr: „Einige haben eine Heilungsgabe“, sondern: „Jeder Christ kann und soll heilen.“ Zitiert wird dabei der Missionsauftrag Jesu.

Und so zeichnen sich Heilungsevangelisten unserer Zeit nicht mehr allein durch spektakuläre Wunder-Stories und Machtdemonstrationen aus. Sie versuchen in erster Linie die breite (und in ihren Augen oft träge) Masse der Christen dazu zu animieren, es ihnen gleichzutun. „Traut euch, dann erlebt ihr dieselben Dinge wie ich!“ Wir alle wären kleine Wigglesworths, wenn wir nur unser Potenzial ausschöpfen würden!

Ich gebe zu, ich bin innerlich zerrissen.

 

Chancen und Gefahren

Auf der einen Seite gefällt mir diese Demokratisierung. Sie nimmt die Erwartungen von Einzelpersonen und aktiviert die Menge. Sie schließt die Kluft zwischen Machern und Konsumenten und lenkt den Fokus von den Superhelden auf den wahren König und Heiler: Jesus.

Auf der anderen Seite könnte – so edel die Motive auch sein mögen – diese Massenbevollmächtigung auch zu einigen Frusterlebnissen führen.

Ich will das genauer erklären: Wenn ein Evangelist vor der Gemeinde steht, wird er immer fordern, dass gefälligst jeder mit Nichtchristen ins Gespräch kommen soll. Wenn ein Hirte vor der Gemeinde steht, wird er ebenso mit Recht fordern, dass gefälligst alle sich in die Glaubensgeschwister investieren sollen. Wenn ein Lehrer vor der Gemeinde steht, wird er fordern, dass gefälligst jeder Christ das Wort Gottes gründlich studieren soll. Wenn ein Prophet vor der Gemeinde steht, wird er fordern, dass wir alle uns viel mehr in geistlichen Räumen bewegen … Egal, welches Beispiel wir wählen: Wer eine Gabe besonders ausgeprägt hat, neigt dazu, sie zum Standard zu erklären.

 

Die Angst vor Grenzen

Wir erleben derzeit ein Phänomen, das ich mal ganz spontan „Multitalentismus“ taufen will. Der Zeitgeist mit seinen vielen Möglichkeiten macht es uns schwer, uns auf etwas Bestimmtes zu konzentrieren und dabei andere Dinge beiseite zu lassen. Der typische Vertreter der jungen Generation kann es nicht ertragen, sich auf einige wenige Kernkompetenzen beschränken zu müssen. Warum? Weil sein Umfeld ihm oft einredet, er könne doch auch alles andere – und alles andere sei genauso erstrebenswert.

Die Folge kann jedoch sein, dass wir uns mehr an dem orientieren, was uns noch nicht gelingt – statt an dem, was wir naturgemäß gut können. Beispiel: Wenn ich exzellente Seelsorgegespräche führen kann, aber beim Evangelisieren nicht in die Gänge komme, fühle ich mich schlecht. Wenn ich viele Heilungswunder auf der Straße erlebe, aber keine klugen Gedanken aus der Bibel ziehen kann, fühle ich mich ebenfalls schlecht. Immer befürchte ich, ich würde nicht das volle Potenzial ausschöpfen, das Gott in mich hineingelegt hat. Das ist doch traurig.

 

Spezialisierung ist bibelmäßig

Manchmal fällt es uns schwer, folgende Wahrheit zu akzeptieren: Einige haben die Gabe der Heilung. Andere haben diese Gabe nicht (vgl. 1. Korinther 12,29-30). Ich glaube sehr wohl, dass Jesus durch jeden Heilungswunder wirken kann. Wir sollten nie aufhören, für Kranke zu beten. Aber wenn Heilungswunder bei uns die Ausnahme bleiben, dann braucht uns das nicht zu irritieren.

Dasselbe könnte man auf alle anderen Gaben anwenden: Natürlich darf jeder sie praktizieren, aber nicht jeder hat darin dieselbe Wirkung. Folglich darf er sich auch mehr auf die Dinge spezialisieren, die ihm gegeben sind. Wer diesen Schritt wagt, hat mehr Erfolg als jemand, der die Berufung eines anderen leben möchte. Ganz ehrlich: Wären C.S. Lewis, Mutter Theresa oder Dietrich Bonhoeffer heute noch so bedeutend, wenn sie sich seinerzeit krampfhaft als Heilungsevangelisten versucht hätten?

 

 

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