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Durchleuchtet

Ehrlich fragen, authentisch glauben

Brauchen wir Theologie?

„Schatz, ich weiß natürlich, dass du keine roten Haare hast. Aber momentan würdest du mir besser gefallen, wenn du welche hättest, deshalb stelle ich mir vor, deine Haare wären rot. Okay?“

Ein Beziehungskiller in nur zwei Textzeilen. Gibt es etwas, womit man eine Frau mehr kränken kann als mit der Aussage, man hätte sie gerne anders?

Die meisten von uns sind Gentleman genug, um solche Aussagen einer Frau gegenüber zu vermeiden. Komischerweise haben wir weniger Skrupel, wenn es nicht um eine Frau geht, sondern um Gott. Folgenden Satz habe ich so oder ähnlich in den letzten Jahren sehr häufig gehört:

„Theologisch ist das zwar nicht ganz richtig, aber ich persönlich erlebe Gott so und so …“

Sprich: Was ich selber empfinde, ist wichtiger als das, was wahr ist.

 

Theologie – die Spielverderberin

Ach ja, wie herrlich könnte meine Beziehung zu Gott doch sein, wenn da nicht immer diese olle Theologie im Weg stünde. Da entdecke ich eine Eigenschaft an Gott, die mich fasziniert, will sie mir noch weiter ausmalen – und dann kommt irgendein hyperkorrekter Bibellehrer, der mir dieses Gottesbild gleich wieder madig machen will. Ein Buchstaben-Anbeter. Ein Grammatik-Evangelist. Einer, der das Seelenheil von der Platzierung des Kommas abhängig macht. Hat der überhaupt eine persönliche Beziehung zu Jesus?

Die Rollen sind klar verteilt: da der überhebliche Rationalist, hier der echte, leidenschaftliche Liebhaber. Worüber freut sich Gott wohl mehr?

 

Es geht um Wahrheit

In einer Zeit, in der das subjektive Erleben zum Heiligtum erklärt wird, haben allgemein-theologische Aussagen einen schweren Stand. Sie gelten bestenfalls als Hobby für verkappte Akademiker. Doch schauen wir einmal etwas genauer hin. Was sage ich letztlich, wenn ich behaupte, auf die richtige Theologie käme es gar nicht so sehr an? Ich sage:

„Gott, ich will dich gerne so sehen, wie ich dich sehen möchte. Wie du selbst dich uns vorgestellt hast, finde ich nicht so spannend. Du sagst, du hättest keine roten Haare? – Macht nichts, solange mir die roten Haare besser gefallen. Du beschreibst dich manchmal als eifersüchtig oder streng? – So mag ich dich aber nicht haben; also lassen wir das einfach weg.“

Und hat Jesus nicht gesagt: „Ich bin die Wahrheit“? – Die Wahrheit ist also eine Person, nicht eine Reihe von Lehrsätzen. Solange man eine Beziehung zu Jesus hat, ist man doch auf dem richtigen Weg, oder?

Da stelle ich die Gegenfrage: Wenn Jesus die Wahrheit ist, kommen wir ihm dann nicht umso näher, je mehr wir uns um die richtige Darstellung der Wahrheit bemühen?

 

Gott pur

Wir betonen doch regelmäßig, Gott würde uns so annehmen, wie wir sind. Das erfordert einiges an Geduld und Toleranz von seiner Seite. Sollten wir uns da nicht auch darum bemühen, ihn so zu nehmen, wie er ist?

Gute Theologie ist der ehrliche Versuch, Gott mithilfe der Bibel wahrzunehmen und zu beschreiben. Es ist ein Ringen um das richtige Verständnis seiner Selbstoffenbarung. Das ist bisweilen anstrengend und wenig prickelnd. Es kann verstören, weil unsere Wunschvorstellungen möglicherweise in sich zusammenbrechen. Aber es ist ein Ausdruck von echtem Interesse an seiner Person.

Und es ist ein doppelter Ausdruck von Liebe: die Liebe zu Jesus im Ringen um seinen wahren Charakter; und die Liebe zu anderen Christen im Teilen der gewonnenen Erkenntnisse.

 

Mach mit!

Der letzte Aspekt ist wichtig. Denn niemand hat das ganze Bild. Wir brauchen einander, wenn es darum geht, Gottes Wesen zu entdecken. Der eine findet diesen Aspekt, der andere jenen – und der Dritte setzt sie wie ein Puzzle zusammen. Ein Puzzle, das natürlich nie ganz fertig wird.

Im Lauf der Jahrhunderte hat sich dieses riesige Puzzle kontinuierlich weiterentwickelt. Es sind Teile dazugekommen, andere wurden entfernt, weil sie sich als Irrtum erwiesen haben.

Die Wahrheit ist: Auch dein Glaube basiert auf dem Ergebnis dieses aufwendigen Erkenntnisprozesses. Jeder von uns folgt einer Theologie – bewusst oder unbewusst.

Was ist nun dein Part darin (wenn du nicht gerade zum Theologen berufen bist)? – Es wäre schon ein Anfang, deine Theologie hin und wieder zu reflektieren. Zu fragen, weshalb du glaubst, was du glaubst. Zu untersuchen, wo die Ursprünge deiner Glaubensüberzeugungen liegen. Zu schauen, welche anderen Ansätze es noch gibt. Und bereit zu sein, deine persönliche Sicht durch die Erkenntnisse anderer immer wieder ergänzen und korrigieren zu lassen.

Ändert das irgendetwas an deiner Beziehung zu Jesus? – Ich behaupte: alles.

 

 

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