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Durchleuchtet

Ehrlich fragen, authentisch glauben

Wie besiegt man Zweifel?

Zweifel sind nicht meine Freunde. Ebenso wenig wie neidische Gedanken, Kopfschmerzen oder die Unlust, von meinem hart verdienten Geld etwas abzugeben. Das hindert sie leider nicht daran, sich regelmäßig bei mir blicken zu lassen. Im letzten Artikel habe ich schon deutlich gemacht: Man muss sie als ein Symptom verstehen, das uns auf ein tiefer liegendes Problem hinweist. Und um das muss man sich kümmern.

Was wäre ein guter Ansatz?

 

Die Gewächshaus-Technik

Nehmen wir an, der Zweifel in mir würde sagen: „Ein Gott, der Völkermorde zulässt, kann kein Gott der Liebe sein – oder er existiert eben nicht.“

Was für ein schädlicher Gedanke!, schießt es mir sofort durch den Kopf.  Er verdirbt deinen schönen Glaubensgarten wie Unkraut. Da hilft nur eines: ein Gewächshaus darüberbauen. Ich umgebe mich nur noch mit Einflüssen, die meine Glaubensüberzeugungen bestätigen. Menschen, die mich immer wieder im Glauben stärken. Bücher, die mir die nötigen Argumente liefern. Veranstaltungen, die meine Emotionen auf die richtige Bahn lenken.

Ja, das Gewächshaus ist nützlich, wenn es darum geht, uns vor dem Gewitter zu schützen. Jeder von uns braucht einen Ort der Geborgenheit, an dem unser Glaube gedeihen kann.

Aber wenn es um ernsthafte, kritische Fragen geht? Da bewirkt das Gewächshaus nur eines: Das Unkraut gedeiht umso prächtiger. Abgeschirmt von ehrlichem Reflektieren und Prüfen entspinnen sich immer wildere Gedankengeflechte, bereit, alles zu durchdringen, was uns lieb und heilig ist. Irgendwann verlagern sich die Machtverhältnisse. Dann werden diese Gedankengeflechte größer und stärker als die Glaswände. Und auf einmal fühlt man sich eingeengt in einem frommen Gefängnis. Der Zweifel hat sein Werk vollbracht.

 

Die Bügel-Technik

Dann eben anders: Man geht aktiv gegen die Zweifel an. Wie kann sich ein Mensch erdreisten, den mächtigen Gott zu bewerten! Gott hat in seinem Wort gesagt, dass er gut ist, also stimmt das auch. Punkt. Wer das hinterfragt, der öffnet dem Teufel die Tür.

Es gibt nur eines, was hilft: Wahrheit entgegenhalten! Römer 8 proklamieren! Die verwirrende Realität mit der unsichtbaren Realität niederbügeln!

Und dann wandere ich in meinem Zimmer umher und bügle über die Gedanken des Zweifels ein paar auswendig gelernte Bibelverse. Irgendwann ist er platt. Ich kann ihn zusammenfalten und in den Schrank zurücklegen.

Das funktioniert in vielen Fällen. Wenn es um Gedanken geht, bei denen ich genau weiß, dass sie nichts als Lügen und Einschüchterung sind, ist Proklamieren eine gute Technik.

Aber ernsthafte Zweifel? Die kriege ich vielleicht geglättet, aber eben nicht beseitigt. Nach kurzer Zeit tauchen sie wieder auf und zerknittern meine Wäsche. Ich muss wieder und wieder das Römer-8-Bügeleisen auspacken und jedes Mal dieselbe Prozedur durchlaufen. Das ermüdet.

 

Die Schwanzbeiß-Technik

Ich höre sie schon, die Stimmen: „Leeres Proklamieren bringt nichts, es muss aus der Beziehung zu Gott herauskommen!“ Guter Gedanke: dem Zweifel begegnen, indem man mit Gott darüber redet.

Das wäre sicher auch mein erster Ansatz. Vor allem wenn es um subjektive Zweifel geht: „Gott, liebst du mich wirklich?“ Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er sagen: „Und wie ich dich liebe!“

Es gibt aber auch Tiefen von Zweifel, da reicht es nicht, sich in die Arme des Vaters zu flüchten. Aus einem ganz einfachen logischen Grund: Wenn mir der Zweifel sagt, dass Gottes Liebe nur Fake ist, dann könnte ich auch diese Gottesbegegnung als Fake betrachten. Die Katze beißt sich selbst in den Schwanz.

Ich frage zum Beispiel: „Gott, bist du ein liebender Gott?“ Er antwortet: „Ja, das bin ich.“ Und ich denke: „Ok, das muss er ja sagen, damit ich glaube, dass er ein liebender Gott ist.“ Gott wird sich immer selbst bestätigen. Das beseitigt aber nicht unbedingt den Zweifel.

 

Ehrliches Vertrauen

Ich spüre schon die Nervosität meiner Leser. Beziehung zum Vater ist doch immer die universal richtige Antwort! Jetzt auf einmal nicht mehr?

Vielleicht anders, als wir es denken. Der Sieg beginnt mit ehrlichem Vertrauen. Es lautet etwa so: „Gott, wenn du wirklich ein allmächtiger, liebender Gott bist, dann muss sich deine Wahrheit auch gegen diese kritischen Gedanken durchsetzen können.“ Ich höre also erst einmal auf, Gott vor meinen Zweifeln beschützen zu wollen. Wenn das nötig wäre, dann hieße das ja, die Zweifel hätten Recht. Gottes Wahrheit könnte nicht gegen sie bestehen. Folglich ist Gott nur eine Lüge. In diesem Fall könnten wir uns glücklich schätzen, von dieser Täuschung befreit zu werden.

 

Auf in den Ring!

Die Frage ist: Möchte ich wirklich die Wahrheit erkennen? Oder möchte ich nur meine Glaubensidylle bewahren? Wenn ich mutig bin und mich wirklich für die Wahrheit interessiere, dann wird der Zweifel auf einmal zur Chance. Ich kann ihn in aller Radikalität ausformulieren. Ich kann ihm nachgehen, kann ihm gedanklich bis auf den Grund gehen. Ich kann seine schwerwiegendsten Argumente in Augenschein nehmen.

Und dann? – Hat der Zweifel seinen ersten Schrecken verloren. Je gründlicher und ehrlicher ich ihn angeschaut habe, umso weniger Angst habe ich, dass da noch mehr im Hintergrund lauert.

Als nächstes lasse ich ihn gegen Gott antreten – besser gesagt: gegen mein Gottesbild. So hat es David getan. Er hat den Zweifel ausformuliert und in die berühmteste Sammlung von Anbetungsliedern eingebaut, die je geschrieben wurden. Beispielsweise in Psalm 13 (NGÜ):

„Wie lange noch, Herr, willst du mich vergessen? Etwa für immer? Wie lange noch willst du dich vor mir verbergen?  […]“

Sagt uns hier die Bibel, dass Gott uns vergisst? Nein, der Zweifel in David sagt es – und er wird mit konkreten Argumenten untermauert. So, und dann schickt er Gott in den Ring (Vers 4):

„Schau doch her und antworte mir, Herr, mein Gott!“

Was kann Gott dem Zweifel entgegensetzen? Ein paar Verse später kommen die Argumente:

„Doch ich will auf deine Güte vertrauen, von ganzem Herzen will ich jubeln über deine Rettung! Mit meinem Lied will ich dem Herrn danken, weil er mir Gutes erwiesen hat.“

Gewonnen! Jeder Psalm endet so. Davids Herz ist umkämpft, er ist schonungslos ehrlich – am Ende siegt aber immer dieselbe Seite. Ein guter Hinweis, dass es sich um die Seite der Wahrheit handelt …

 

Wir können nur gewinnen

Auf den ersten Blick braucht es viel Mut, seinen Zweifeln ernsthaft auf den Grund zu gehen. Bei genauerem Hinsehen können wir aber nur gewinnen. Es gibt drei Möglichkeiten:

  1. Der Zweifel setzt sich durch und zeigt damit, dass wir unser Leben lang nur eine Illusion geglaubt haben. Das würde wehtun, wäre aber trotzdem gut für uns. (Diese Variante ist bei mir noch nie eingetreten, obwohl ich mich schon mit den hammerhärtesten atheistischen Argumenten beschäftigt habe.)
  2. Der Zweifel entlarvt ein verzerrtes Gottesbild in mir und hilft mir, es zu korrigieren und zu erweitern. Das wäre ein voller Erfolg, weil ich damit den echten, wahren Gott ein Stück besser kennengelernt habe. Mein Glaube wird reifer und erwachsener. (Kommt bei mir häufiger vor.)
  3. Der Zweifel erweist sich als weitaus weniger stichhaltig, als es zunächst den Anschein hatte. Auch das wäre ein voller Erfolg. Das unbehagliche Gefühl im Hintergrund würde endlich verschwinden, mein Glaube würde gestärkt aus der Situation hervorgehen. (Kommt ebenfalls häufig vor bei mir.)

Also: keine Angst vor der Wahrheit! Wir werden sie erkennen und sie wird uns freimachen!

 

 

 

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